Vorteile von Laparoskopischer Chirurgie

Die laparoskopische Chirurgie, auch minimal invasive oder “Schlüsselloch“ Chirurgie genannt, hat die operative Medizin in den letzten zwei Jahrzehnten verändert wie kaum eine andere Entwicklung zuvor und hat das konventionelle – „offene“ – Verfahren bei einigen Operationsverfahren eindeutig vom ersten Platz verdrängt.

Die ersten Berichte über laparoskopische Eingriffe stammen aus dem Jahre 1901. Darin beschrieb der deutsche Chirurg Georg Kelling die Technik der Untersuchung der Bauchhöhle beim Hund mit einem Zystoskop, also einem Gerät das sonst von den Urologen für Harnblasenspiegelungen verwandt wird. Kelling insufflierte normale, durch sterile Watte gefilterte Raumluft in die Bauchhöhle eines Hundes, steckte dann das Zystoskop in den Bauch hinein und konnte so die inneren Organe des Bauchraumes von außen betrachten.

Die erste Bauchspiegelung beim Menschen wurde 1910 von Jacobaeus durchgeführt. Seit 1933 (Vewers) wird Kohlendioxyd statt Raumluft benutzt. Dies hat abgesehen von der Sterilität den Vorteil, dass die im Bauch verbleibenden Gasreste schmerzlos vom Körper resorbiert werden und dass man problemlos mit Elektroinstrumenten arbeiten kann.

Bis vor nicht langer Zeit war die Laparoskopie sowohl in Europa als auch in Amerika überwiegend eine Domäne der Frauenärzte. Prof. Semm in Kiel entwickelte die Technik mit mehreren Troikaren (grosslumigen Kanülen), wodurch komplexere Eingriffe möglich wurden, so dass er 1983 zum ersten Mal einen Blinddarm-Entfernung laparoskopisch durchführen konnte.

Einen großen Fortschritt brachte die Video-Laparoskopie, dabei wird auf das Laparoskop eine Farb-Videokamera aufgesetzt. So sieht nicht nur der Operateur das Bauchinnere durch das Laparoskop sondern alle an der Operation beteiligten können die Operation and Farbmonitoren verfolgen und aktiv mitarbeiten. 1986 berichtete Ernst Mühe auf den Deutschen Chirurgentag erstmals von einer laparoskopisch durchgeführten Cholezystektomie beim Menschen.

Heute ist die minimalinvasive Chirurgie bei fast allen Baucheingriffen möglich. Die Vorteile gegenüber der offenen Methode sind besonders bei der Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung), Fundoplikation (bei Rückfluss des Mageninhaltes) und Dickdarmresektionen am meisten praktiziert worden.

Nachteile der offenen Bauch-Chirurgie:

  • Der Zugang zum krankhaft veränderten Organ muss zunächst weit freigelegt werden, um den Eingriff auszuführen und nach Vollendung des Eingriffes muss die Körperhöhle wieder verschlossen werden.
  • Postoperative Schmerzen as Konsequenz der Durchtrennung der Bauchdecken. Dieser postoperative Schmerz beeinträchtigt dann die Aktivität und Beweglichkeit des Patienten sowie die Atmung und trägt zu den bekannten postoperativen Komplikationen in der Chirurgie wie Lungenentzündung, Infektion, Venenthrombose, Embolie etc bei.
  • Die Eröffnung der Köperhöhlen führt zu einer Abkühlung des Patienten und zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust durch Verdunstung.
  • Häufig müssen die Wunden mit großem Kraftaufwand mit Einsatz von Metallhaken oder mechanische Haltevorrichtungen offen gehalten werden, was zu Verletzungen innerer Organe wie Milz und/oder Leber führen kann.
  • Bei Verletzung der feien Darmhäute kann es leicht zu späteren Verklebungen und Verwachungen kommen, die nachfolgend zu Nachoperationen führen können.
  • Schließlich gen von den Bauchschnitten noch weitere Gefahren aus: Entzündungen, Platzbauch (Naht-dehiszenz) sowie Narbenbruch.

Vorteile der Minimal-invasiven Chirurgie:

  • Der Hauptvorteil liegt in der Minderung des für den Zugang zum Operationgebiet erforderlichen Traumas. Die Eingriffe werden unter Sicht durch das Laparoskop in geschlossenen Körperhöhlen ausgeführt. Mit Hilfe der Video-Kamera kann der Chirurg über den Bildschirm operieren. Für das Präparieren des zu entfernenden Gewebes werden stark verkleinerte, sehr feine Instrument verwandt, wodurch das Operationstrauma weiter verringert wird.
  • Besonders studiert wurden auch die postoperative Immunfunktion und Stressreaktion nach minimal invasiven Operationen, was mit Hilfe spezieller Parameter objektiv messbar ist. Dabei zeigte sich, das bei der laparoskopischen Chirurgie eine wesentlich geringere Belastung de Immunsystem eintritt, was besonders in der onkologischen (=Krebs-) Chirurgie von Bedeutung ist.
  • Darüber hinaus verschlechtert sich die Lungenfunktion nach laparoskopischen Eingriffen weniger und die berufliche Tätigkeit kann nach reduzierter Rekonvaleszenzzeit wesentlich schneller wieder aufgenommen werden. Zudem ist bei dieser Technik der Blutverlust wesentlich geringer und die Darmlähmung (=atonie) verkürzt. Folglich können die Patienten meist schon 24 Stunden nach der Operation wieder Flüssigkeiten oral zu sich nehmen.
  • Die neue laparoskopische Operationsmethode hat eine echte Alternativen zu vielen offenen Operationen gebracht. Sie vermeidet die Nachteile, die mit einer Eröffnung der Bauchdecke verbunden sind, ermöglicht präziseres und schonenderes Präparieren und reduziert damit das Operationstrauma. Dieser Methode gehört die Zukunft der Allgemein-Chirurgie sowie der operativen Tätigkeit ganz allgemein.